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Mein Wertung: GENIAL  

Selma J. Spieweg: Die Zeitmaschine des Arabers: (Boris und Olga 2) Clockwork Cologne. (Kindle Edition, 19.09.2015)

Von Boris und Olga bin ich seit dem ersten Kennenlernen begeistert. Boris ist ein Held, den ich nach der Lektüre des ersten Bandes am Qindie-Stand auf der LBM15 persönlich treffen durfte. Und wo Boris ist, ist Olga auch nicht weit. Das betrifft die Geschichte gleichermaßen wie meine Begeisterung für die beiden.

Inhalt:

Boris und Olga sind auf dem Weg nach Sibirien, wo sie sich endlich ihr gemeinsames Häuschen bauen wollen. Schließlich wurde ihnen das auf einem Gemälde aus der Zukunft prophezeit. Doch das Schicksal hat andere Pläne für die beiden und schleudert sie – per Luftschiff – in die Wirren um Zar Nikolaus II. und die in Cöln ansässigen Quantenmagier.

Meinung:

Schon im ersten Band der Geschichte um Boris und Olga hat mich die Figur des quantenmagisch verbesserten Menschen Boris fasziniert. War seine Menschlichkeit da durch den Krieg und die körperlichen sowie seelischen Qualen fast verschüttet, so kam sie – durch Olga erweckt – allmählich zum Vorschein. Dieser Prozess setzt sich in diesem Buch fort. Zu Beginn des zweiten Bandes ist Boris noch sehr verschlossen, und es bedarf der besonderen Feinfühligkeit Olgas, um mit ihm kommunizieren zu können. Doch das ändert sich immer stärker, bis er sich selbst und seine inneren Dämonen findet. Das mitzuerleben ist wirklich einmalig! Ich bewundere das Fingerspitzengefühl der Autorin, wie es ihr gelingt, Boris immer weiter aufblühen zu lassen und gleichzeitig seine inneren Qualen lebendig werden zu lassen. Er wird wieder zum Mensch – und leidet darunter.

Olga, das 12-jährige Waisenkind, ist seine Gefährtin. Boris spricht von „seiner Halluzination“. Beide hängen aneinander. Sie können jeweils nicht ohne den anderen sein. Beide sind zutiefst einsam und vom Leben gezeichnet, aber gemeinsam stehen sie alle Gefahren durch und es besteht Hoffnung, dass die beiden irgendwann einmal ihr Ziel erreichen: das kleine Häuschen in Sibirien. Auch Olga hat die Autorin ganz wundervoll gezeichnet: hartnäckig, treu, verängstigt, stur, mal anhängliches Kind, mal eifersüchtige Frau. Während der gesamten Geschichte starrt sie vor Dreck, der ihr Sicherheit und Unsichtbarkeit gibt. Ein amüsanter Aspekt, der Olga eine persönliche Note gibt. Und sie ist es, die für die Finanzen der beiden sorgt – nicht immer ganz legal, aber der Zweck heiligt bekanntlich die Mittel.

Weitere Figuren tauchen auf, von denen einige bereits im ersten Band mitspielten, die meisten jedoch sind neu und zum Teil aus anderen Clockwork Cologne-Büchern von Susanne Gerdom oder Simone Keil bekannt. Wieder dabei sind Zar Nikolaus II. und Magister Karelius, der sich in Band eins an Boris vergangen hat, als er ihn zum „Blauen Krieger“ umgerüstet hat.

Antriebsfeder der Handlung ist diesmal der Auftrag des Zaren, die Zeitmaschine des Arabers zu suchen und zu zerstören. Erst hat es den Anschein, als wollte Boris das nicht gelingen, dann meint man, er hat es doch geschafft. Nur um mich gegen Ende erneut zu fragen, hat er nun – oder doch nicht. Die Zeitmaschine zerstört das Zeitkontinuum. Deswegen baut Selma J. Spieweg eine Zeitverschiebung in die Geschichte ein, die ich erst am Schluss des Buches begriffen habe, so raffiniert ist sie eingefädelt. Ich ahne, wie die Handlung tatsächlich abgelaufen ist, aber ich bin mir nicht sicher. Und genau diese Ungewissheit ist es, die mich absolut fasziniert und noch ein Stück tiefer in das „Boris und Olga“-Universum gesaugt hat. Ich will wissen, wie es mit den beiden weitergeht.

Durch die Zeitverschiebung ist die Dramaturgie der Geschichte raffiniert gestaltet. Als Leser hat man zuerst den Eindruck, einer linearen Zeitentwicklung zu folgen, doch in Wahrheit ist mindestens ein Looping, wenn nicht ein Rücksprung mit paralleler Entwicklung eingebaut. Und das, ohne dass es der Leser auf Anhieb merkt. Das feuert die Spannung enorm an, und für meinen Geschmack ist die Dramaturgie der Autorin ausgezeichnet gelungen.

Wertung:

Das Buch hat mich rundherum überzeugt. Die Figurencharakterisierung und -entwicklung sind ausgezeichnet, die Dialoge stimmen, ebenso der historische Background. Die Handlung und die Dramaturgie sind sehr komplex und in ihrer Vielschichtigkeit ganz exzellent. Und obendrein unterhält das Buch noch ganz wunderbar und berührt dabei das Herz und alle Sinne. Für mich gibt es dafür mein persönliches GENIAL und fünf von fünf Wertungspunkte.

Mein Fazit: Ausgezeichnete Fortsetzung der Steampunk-Reihe um Boris und Olga

Ich danke der Autorin für das Rezensionsexemplar.


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Autorenwebsite: jspieweg.de/boris.html  
   
Rezension vom 01.10.2015  
Aiki Medienwerkstatt